William Cronon – Natures Metropolis

1837 wird Chicago mit 4200 Einwohnern nur 5 Jahre nach seiner Gründung zur Stadt erhoben. Etwas mehr als 50 Jahre später wohnen über 1.000.000 Menschen in der Stadt, obwohl diese 1871 bei eine verheerenden Brand verwüstet wird. Zum Vergleich: Chemnitz startet 1800 mit circa 10.000 Einwohnern und wird 1883 mit etwas über 100.000 Einwohnern Großstadt.

1885 wird mit dem Home Insurance Buildung das erste moderne Hochhaus in Chicago gebaut.  1893 beleuchtet Nikola Tesla und George Westinghouse die Weltausstellung samt dem ersten modernen Riesenrad.

Diese nahezu einmalige und rasante Entwicklung verdankt Chicago nicht zuletzt seiner günstige Lage. Als Handelsposten im Michigansee gegründet, an der Mündung des Chicago Rivers (dessen Flussrichtung man mittlerweile übrigens umgekehrt hat!) war die Lage schon vielversprechend. Durch Kanal- und Eisenbahnbau (beides 1848, Chemnitz musste bis 1852 warten um mit der Streck Riesa-Chemnitz einen Eisenbahnanschluss zu erhalten) wurde Chicago dann zu dem Umschlagplatz aller Waren aus dem Westen Amerikas.

Durch Vieh- und Getreide wurde die Stadt zur „Schlachtbank der Welt“. Der Arbeitsalltag in den Union Stock Yards wurden von Upton Sinclair („Der Dschungel“) verewigt.  Die Spekulation mit Lebensmitteln nahmen hier am Chicago Board of Trade (älteste Terminbörse der Welt!) ihren Anfang. Der Holzhandel war die Grundlage der Holzrahmenbauweise und die amerikanische Mail-Order-Industrie verdankt ihre Entstehung Montgomery Ward.

Der amerikanische Historiker William Cronon beschreibt in Nature’s Metropolis die ökonomischen Hintergründe dieser atemberaubenden Entwicklung. Das Buch bietet einmalige Einblicke in die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt sowie ihrer engen Verflechtung mit dem westlichen „hinterland“. Die Geschichte des Getreidehandels war für mich besonders interessant, da ich bis zur Lektüre nicht wusste wie und warum solch fragwürdige Finanzprodukte wie (ungedeckte) Shorts überhaupt in die Welt gekommen sind.

Das Buch ist bereits 1991 erschienen. Es ist aber immer noch erhältlich. Ein deutsche Übersetzung gibt allerdings nicht.

 

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